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01./02.09.2018
Ein möglicher Weg mit der
Gottesmutter Maria

Die MMC Regensburg ist heute so lebendig wie bei ihrer Gründung 1592

Im Jahr 1592 wurde die Marianische Männer-Congregation Regensburg „Maria Verkündigung“ (MMMC Regensburg) gegründet. Die Männer der Congregation, die Sodalen, orientieren sich in ihrem Leben bewusst am christlichen Glauben der katholischen Kirche. Die Gottesmutter hat bei der MMMC einen besonderen Stellenwert. Die Sodalen stellen sich und ihren Glauben unter den Schutz Marias. 

Auch wenn die MMC Regensburg die älteste durchgehend bestehende Vereinigung von Gläubigen in Deutschland ist, ist sie nach wie vor sehr lebendig und hat nicht unter Nachwuchsmangel zu leiden. Die MMC ist nämlich keineswegs altmodisch. Gottfried Riepl (46) stammt aus Hemau und ist im Jahr 2000 im Alter von 28 Jahren der Congregation beigetreten. Im Frühjahr 2001 wurde er beim Hauptfest-Süd in der Dominikanerkirche in Regensburg feierlich in die Gemeinschaft aufgenommen.

„Die Aufnahmezeremonie war schon beeindruckend: wir waren vielleicht 50 Männer – im Alter ganz gemischt von 16-75 –, die in das Verzeichnis der Sodalen eingetragen wurden. Und diese große Kirche war gefüllt mit einigen hundert Männern, die mit ihren tiefen Stimmen so kräftig mitgebetet und mitgesungen haben. Das hat einen tiefen Eindruck hinterlassen. Beim jährlichen Hauptfest wird man immer wieder daran erinnert“, erzählt Riepl.

Ein bisschen liegt die Marianische Männer-Congregation dem Realschullehrer für Mathematik, Physik und Informationstechnologie an der Staatlichen Realschule Riedenburg schon im Blut. Auch sein Vater und Großvater waren Sodalen der MMC Regensburg. Der Großonkel war sogar Obmann in Hohenschambach. Dennoch war dies nicht der Grund für Riepl, auch zur Congregation zu gehen. Niemand in der Familie habe ihn je dazu gedrängt, sagt er selbst. Er habe damals einfach die Verantwortung als Christ gesehen, als junger Familienvater die Kirche und die MMC zu unterstützen.

„Die MMC gibt mir die Möglichkeit, ein wenig mehr für meinen Glauben zu tun. Der wöchentliche Sonntagsgottesdienst ist für mich ja selbstverständlich. Mit der Männer-Congregation gibt es über´s Jahr gesehen pro Monat einen Termin, an dem ich mir noch mal extra Zeit nehme, um über den Glauben nachzudenken, ihn zu vertiefen oder einfach gemeinsam zu beten. Das alles in der Gemeinschaft gläubiger Männer – das tut mir gut. Da haben sich im Laufe der Jahre auch viele Freundschaften entwickelt,“ beschreibt Riepl seine Gefühle als Sodale. Ihm ist der Glaube sehr wichtig und gibt ihm viel Kraft. Der Geist Gottes, sagt Riepl, habe ihm bei wichtigen Entscheidungen immer wieder die Richtung gezeigt. „Und die Gottesmutter ist es, die uns dabei führen kann, die uns an die Hand nimmt und zu Jesus und dem Vater führt. Maria war eine einfache Frau, einfach zu verstehen, nicht so kompliziert wie der dreifaltige Gott. Durch sie, durch das Gebet zu ihr, mit ihr als Fürsprecherin, kann man leichter den richtigen Weg finden – wie der Meerstern den Seefahrern, zeigt sie uns den Weg.“

Manche Menschen, die keinen Bezug zum Glauben haben, erscheint die Marianische Männer-Congregation als ein Anachronismus in der modernen Welt. Gottfried Riepl sagt dazu: „Einem Christen würde ich sagen: es gibt viele Wege im Glauben! Man muss gläubigen Menschen in einem gewissen Rahmen auch ihre Freiheit lassen. Man sollte niemandem vorschreiben, wie er zu beten hat, und ein gesundes Maß an Toleranz zeigen. Der Weg mit Maria ist nur ein möglicher. Einem Nichtchristen würde ich sagen: Schau mal auf die Mode! Wer vor 25 Jahren eine Lederhose getragen hat, der wurde auch als altmodisch bezeichnet. Heute hat sie jeder.“

Monsignore Thomas Schmid ist seit zehn Jahren Zentralpräses der Marianischen Männer-Congregation Mariä Verkündigung Regensburg. Der Einschätzung, die MMC sei anachronistisch, kann Schmid viel entgegenhalten. Natürlich falle die Solidarität und betende Verbundenheit der MMC in der modernen, individualistisch orientierten Gesellschaft als ungewöhnlich auf, stellt Schmid fest. In der MMC werde das „Mann-Sein“ und „Frau-sein“ ernst genommen. Statt „aktueller gehetzter Oberflächlichkeit“ gebe es in der MMC den gegenseitigen Austausch im Glauben und eine „menschennahe-bodenständige kirchliche Praxis“. Der um sich greifenden Gleichgültigkeit stehe in der MMC selbstbewusstes und entschiedenes Katholisch-sein gegenüber. Die Kirche, sagt Monsignore Schmid, stehe in einem „tiefen kulturellen und gesellschaftlichen Umbruch“. „Vieles, was bisher unumstößlich und fraglos galt, wird frag-würdig. Und wir sollten uns als Kirche jetzt nicht im Jammern oder Klagen ergehen, wir sollten nicht alle unsere Kräfte in der Wiederbelebung des Sterbenden verlieren, sondern uns mindestens genauso sehr der `Auferstehung´ öffnen. Kirche kann ja nicht von Menschen gemacht werden, kann generell nicht gemacht werden; sie ist zu jeder Zeit und für jede Zeit ein Geschenk des auferstandenen Herrn. Es ist also nur gut, wenn junge Menschen jetzt auch diese Frag-Würdigkeit der Kirche und des Glaubens erkennen und eine Antwort darauf suchen wollen. In diesen Prozess, des Suchens und Fragens, so Schmid, brauche es gute Begleiter, Ratgeber und Vorbilder, die aus der eigenen Erfahrung berichten, die Mann an Mann miteinander beten, die Mut zum öffentlichen Zeugnis haben, ohne dies alles zur „einzig gültigen Norm“ zu erheben oder gar zu bevormunden. „Für den, der sie in Anspruch nimmt, sind viele Männer liebenswerte, unkomplizierte, freundschaftliche Weggefährten – Sodalen eben.“

Die MMC, sagt der Zentralpräses, sei ursprünglich eine Gemeinschaft zur Neuevangelisierung gewesen. „Und auch heute noch bemüht sich die MMC… um eine Revitalisierung unserer Freude am Glauben und am kirchlichen Leben mitten in der Welt von heute.“ Die Aufgaben der Marianischen Männer-Congregation für die Zukunft hätten sich nicht geändert. Es gelte, unaufdringlich und doch selbstbewusst an der Hand Mariens Herzen für Christus zu gewinnen.

Die Marianische Männer-Congregation Mariä Verkündigung Regensburg umfasst heute rund 5000 Sodalen, dazu kommen noch einige 1000 Sodalen der weiteren Congregationen im Bistumsbereich.

Von Angelika Lukesch, SonntagsZeitung

 

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(Foto: privat)

Gottfried Riepl  (rechts) bei der Prozession der Pilgermadonna 2010 in seiner Pfarrcongrgation Hemau



(Foto: privat)

Gottfried Riepl (links) bei  der Vorbeitung auf 100 Jahre Patrona Bavariae in Eichstätt



(Foto: privat)

Gottfried Rippl als Obmann der Pfarrcongregation Hemau, hier als Bannerträger beim Katholikentag in Regensburg



(Foto: privat)

Gottfried Riepl (Zweiter mitte links) beim Fest zum 100-jährigen Jubiläum Patrona Bavariae auf dem Marienplatz im München



(Foto: privat)

Für Zentralpräses Thomas Schmid sind die Anliegen der MMC heute so aktuell wie im Gründungsjahr 1592



(Foto: privat)

Für seine 10-jährige Amtszeit wurde Zentralpräses Msgr. Thomas Schmid (mitte) mit einer Statute des Hl. Thomas geehrt